Reformprozess am Ende?

In Kassel gingen die Brüder Grimm zur Schule und legten ab 1805 die Grundlagen ihres wissenschaftlichen Werkes. 1897 und 1942 wurden in Kassel Grimm-Gesellschaften gegründet. Die Landesbibliothek baute eine große Grimm-Sammlung auf. An diese Tradition knüpfte man 1959 mit der Gründung des Brüder Grimm-Museums an. Es soll zu einer touristisch orientierten "Grimm-Welt" ausgebaut werden. Seit 2012 besteht an der Universität Kassel eine Professur zur Grimm-Forschung.

Reformprozess am Ende?

Beitragvon milatosSO36 » Mittwoch, 10. Mai 2006, 18:59

Die Kasseler Postille "Extra-Tip" des Chefredakteurs Klaus Becker, eines langjährigen Wegbegleiters von Museumsleiter Dr. Bernhard Lauer, trat am heutigen Mittwoch mit einer Bilanz der bisherigen Reformbemühungen hervor. Zwar sendete das Fernsehen des HR gestern einen kritisch-ironischen Beitrag über die Kasseler Grimm-Miseren, aber vor Ort scheint jene Sicht weit verbreitet, die der neue Artikel des Anzeigenblatts vermittelt. Die Argumentation desjenigen Lagers in der Grimm-Gesellschaft, das die bisherigen Zustände und Dr. Lauer als Geschäftsführer beibehalten wollte, ging und geht in eine ähnliche Richtung. Der Wunsch, es 'der Politik zu zeigen', 'die ohnehin zu wenig tut und über den mündigen Bürger hinwegregiert', scheint (neben persönlicher Solidarität dem bedrängten Lauer gegenüber und der Mentalität einer Burgbesatzung im Belagerungszustand) ein wesentlicher Faktor dabei gewesen zu sein, dass die Entscheidungen der Grimm-Gesellschaft so gefallen sind, wie R. Theisen in seinem Beitrag bereits berichtet hat.
Das Anzeigenblatt "Extra-Tip" war mit einer ganzen Kette von Artikeln an der Entwicklung der letzten Monate beteiligt und hielt konsequent die Linie Lauers. Es spricht auch vieles dafür, dass Redakteur Becker seine Artikel mit Lauer vorbespricht. Der heutige Artikel, womöglich ein Schlusspunkt unter die Reformbemühungen der letzten Monate - und ein stilechter! - sei auch hier dokumentiert. Ich übernehme ihn aus dem Forum der "Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen", http://forum.hna.de/forum/viewtopic.php?pid=14619#p14619. Auf der Website des "Extra-Tip", http://www.extratip.de, ist der Artikel (noch) nicht verfügbar.


Zwischenruf - Von Gestern

Von Klaus Becker


Hätten sich Kassels Bürger- und Medien häufiger so intensiv um die Brüder Grimm gekümmert wie in den letzten Wochen, dann wäre die Ausstrahlung des berühmten Brüderpaares sicherlich noch viel wirkungsvoller als bisher. Doch da überschatteten erstmal Streitigkeiten und Querelen das Gedenken an Kassels große Geisteshelden aus dem 19. Jahrhundert. Irgendwie waren auch diese Streitigkeiten märchenhaft. Denn hinter den Konflikten von heute verbargen sich Konflikte, die eigentlich vor mehreren Jahrzehnten schon ausgetragen wurden. Betrachtet man die Ursachen für das Scheitern jener Gruppe, die zum Kampf gegen den Grimm-Museumsleiter Dr. Bernhard Lauer aufrief, dann finden sich dort auch Gründe für ihr Scheitern in den frühen 90er Jahren. Hochmut und völliger Unkenntnis dessen, was die Menschen tatsächlich denken und bewegt. Man konnte sich ja nur erstaunt die Augen reiben: Da machte sich jene Fehleinschätzung breit, und wieder spielte dabei der frühere OB Bremeier mit seinem „Kulturnetzwerk" eine entscheidende Rolle bei dieser falschen Analyse und den auf sie folgenden Schritten. Lauer-Gegner wähnten sich eine Zeitlang sicher. Sie wurden dabei von Medien massiv unterstützt, die damit ihre Niederlage vorbereiteten. Auf lokaler Ebene oder noch krasser in den Berichten der überregionalen Medien wie in jenem dümmlich-arroganten Artikel des „Spiegel“, der Lauer-Anhänger allesamt zu „Klofrauen und Vitrinenwächtern" einstufen wollte.
Jetzt muss ein Neuanfang gemacht werden. Die Tatsache, dass mit Dieter Staubach nun ausgeprägter Techniker an der Spitze der Grimm-Gesellschaft steht, ist für diese Geschäft eine Chance. Damit könnte sie herauskommen aus jenem grotesken Intrigenspiel, das die Geisteswissenschaften nur allzuoft prägt.
Auf die Nase fielen auch jene Vertreter des Kasseler „Bürgertums", die sich auf geradezu peinlich-unterwürfige Weise dem Anti-Lauer-Lager andienten. Aufgeblasenen Wichtigtuer und billige Intriganten, die offenkundig überhaupt keine Resonanz finden.
Wie es weitergeht? Gewinnen wird der, der das größte Maß an Lernfähigkeit entwickelt. Sich den Blick nicht verstellen lässt. Kassels OB hatte sich auf der falschen Seite eingeordnet. Nicht weil es ihm an klarem Blick fehlte, sondern weil er auf die falschen Ratgeber hörte. Immer noch gibt es Leute, die sich nicht mit dem Willen mündiger Bürger abfinden können. Und wenn die nicht lernen wollen, müssen sie wohl noch einige Niederlagen einstecken.

(Zitat: "Extra-Tip" Kassel, Ausgabe vom 10. Mai 2006.)
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Ein Dokument zur Geistesgeschichte Kassels

Beitragvon Rudolf Theisen » Donnerstag, 11. Mai 2006, 6:50

Milatos hat den Kommentar Klaus Beckers aus dessen Extra Tip dankenswerterweise einem auswärtigem Publikum zugänglich gemacht. Die besondere Qualität dieses Textes liegt darin, daß er geradezu exemplarisch das Reflexionsniveau vermittelt, mit dem in dieser Stadt permanent zu rechnen ist. Herr Becker begann in jungen Jahren als Pressesprecher des OB Karl Branner seine Karriere. Dessen Nachfolger Hans Eichel trennte sich von ihm aus Gründen, die bis heute undurchsichtig geblieben sind, aber bei Becker offensichtlich eine bis heute anhaltende Verletzung ausgelöst haben. Als Trostpflaster durfte er für die SPD, der er bis heute angehören soll, eine Mitgliederzeitung für den Bezirk Nordhessen gestalten. Nachdem diese von der Partei eingestellt worden war, gelang ihm mit dem - kostenlos verteilten - Extra Tip eine erfolgreiche Unternehmung, die als Alternative zur HNA sofort große Beliebtheit erlangte. Becker wiederholt in manischer Weise Themata wie: tatsächliche und vermutete Verfehlungen im öffentlichen Dienst (vor allem finanzielle Verschwendung), Faulheit und Inkompetenz von Lehrern und Professoren, verbunden mit einem abstrakten Lamentieren über den Zusammenbruch von Werten und guten Sitten im Zusammenhang mit dem Einfluß der "Alt-68er" in Kultur und Erziehung.im Allgemeinen und seiner Genossen im Besonderen. Diese - zum Teil durchaus berechtigte - Kritik erfolgt nun nicht im Kontext eines reflektierten liberal-konservativen Weltbildes, sondern im Rahmen eines ad-hoc-Populismus, der modische Versatzstücke beliebig kombiniert und zur Erzeugung publikumswirksamer Empörung auch Ausflüge in offene Vulgarität nicht scheut. Damit ist umrissen, in welchen intellektuellen Umfeld die Lauergruppe angekommen ist und mit welchem Geschick sich Dr. Lauer im Geflecht politischer und persönlicher Neurosen eingerichtet hat. Für den auswärtigen Betrachter macht die Auseinandersetzung zumindestens plausibel, warum mit einer seriösen Grmmforschung aus Kassel in absehbarer Zeit nicht mehr zu rechnen sein wird. Dr. Lauer ist Jahrgang 1954. Unter Zugrundelegung der gegenwärtigen Pensionsregelungen erfolgt das Ende seiner Dienstzeit im Jahre 2019. Realisten können dann mit einer Wiederaufnahme der Reformdiskussion rechnen.Wir sehen uns wieder.
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Grimmforschung geht weiter

Beitragvon Grimmfreund » Donnerstag, 18. Mai 2006, 15:28

Jetzt da Sie verloren haben, sollten sie zur Kenntnis nehmen dass in Kassel unbeirrt weitergemacht wird. Hier können Sie auch lesen dass Herr Dr. Lauer perfekt russisch spricht und intensiv die Myten und Sagen der slavischen Länder kennt.

Extra-Tip v. 17.05.2006

Kassel als Vorbild für fernen Ural

Beeindruckte die Gäste aus dem fernen Osten Russlands nicht nur mit seinen perfekten russischen Sprachkenntnissen, sondern auch durch seine intensiven Kenntnisse der Mythen und Sagen der slawischen Länder: Museumschef Dr. Bernhard Lauer mit seinen Gästen aus der russischen Republik Baschkortostan im Grimm-Museum. Links: Ewald Griesel.

Bild

Der Name der russischen Republik Baschkortostan dürfte bisher den meisten Nordhessen fremd geblieben sein. Mit reichen Bodenschätzen gesegnet, dazu eine herrliche Gebirgslandschaft. Wie man all das touristisch besser vermarktet, wollen die Dozenten und Studentinnen wissen, die als Gäste der Akademie für Absatzwirtschaft Kassel (AfAK) einen intensiven Besuch in Nordhessen absolvierten.

Die russischen Gäste zeigten sich beeindruckt, als ihnen Thermen-Geschäftsführer Hendrik Schellinger vom Erfolg der Kurhessen-Therme berichtete – gibt es doch im Ural jede Menge von Heilquellen, die man touristisch nutzen will. Karl Görnhardt führte die Gäste aus dem fernen Land bei einem Rundgang durch den Tierpark Sababurg, bei dem besonders die Greifvogel-Vorführung einen tiefen Eindruck machte. In Niederzwehren und auf der Knallhütte orientierte man sich über Dorothea Viehmann. Beeindruck seien die Gäste gewesen, so Ewald Griesel, Vorsitzender des AfAK-Trägervereins, durch den im perfekten Russisch gehaltenen Vortrag von Grimm-Museumschef Dr. Bernhard Lauer, und zudem dessen große Kenntnis über Mythen und Sagen der slawischen Länder.
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Extra-Tip kämpft weiter

Beitragvon Bonoboche » Mittwoch, 21. Juni 2006, 22:18

Der Kasseler "Extra-Tip" des Chefredakteurs Klaus Becker schaltete sich mit einem längeren Beitrag heute wieder in das Thema "Grimm in Kassel" ein. In bewährt demagogischer Weise wird das ganze Konfliktfeld neu aufgerollt, offenbar deshalb, weil der am 6. Mai gewählte Vorstand der Grimm-Gesellschaft Kassel nicht mehr bereit ist, die vorab mit dem Rathaus getroffenen Verabredungen einzuhalten, dieses für Kassel wichtige Thema längerfristig nicht im bisherigen Maß auf eine einzelne Person zuzuschneiden.

Eingescannte Titelseite des "Extra-Tip":
Bild
(danke Forums-Benutzerin Jeanne d'Arc für das Einscannen!)

Aus dem Kasseler HNA-Forum, http://forum.hna.de/forum/viewtopic.php?pid=17290#p17290, übernehme ich hierher die dort von einem Diskutierenden mit dem Nickname "Froschkönig" eingestellte kommentierte Fassung:

Froschkönig hat geschrieben:Im ExtraTip von heute lesen wir:
Weiter Streit bei Grimms
Rathaus verlangt trotz klarer demokratischer Entscheidung den Rücktritts Lauers
In der Brüder Grimm-Gesellschaft in Kassel wächst nach den Turbulenzen der vergangenen Monate der Unmut über das Kasseler Rathaus. Die Vorwürfe: Dort wolle man sich mit demokratischen Entscheidungen nicht abfinden, übe unzulässigen Druck auf die Verantwortlichen der Gesellschaft aus, versuche, die eigene Niederlage im Nachhinein in einen Sieg umzufunktionieren.

Von Klaus Becker
KASSEL * Die Vorgeschichte: Im heiß umstrittenen Rennen um den neuen Vorsitzenden der Grimm-Gesellschaft hatte die Stadtverwaltung rückhaltlos

Ich glaube, hier wollten Sie "rücksichtslos" schreiben.
auf den ehemaligen Uni-Präsidenten Prof. Dr. Hans Brinckmann gesetzt. Der Sozialdemokrat war zuvor als Initiator der Privat-Uni "KIMS" kläglich gescheitert. OB Hilgen sprach sich öffentlich mehrfach für ihn als neuen Präsidenten der Grimm-Gesellschaft aus.

Wer sich einmal einer Initiative gegen die Berichterstattung des ET ausgesprochen hat, den verfolgt Herr Becker bis ins fünfte Glied.
Bei der Mitglieder-Versammlung der Gesellschaft, zu der diesmal mehr Mitglieder kamen als sonst üblich, lag jedoch der Berliner Unternehmer

..was unternimmt der denn so?
Dieter Staubach mit über 120 Stimmen weit vor dem Rathaus-Kandidaten Brinckmann. Auch der Geschäftsführer Dr. Bernhard Lauer, zugleich Direktor des Brüder Grimm-Museums, wurde von den Mitgliedern mit satter Mehrheit in seinem Amt bestätigt. In seiner Eigenschaft als Grimm-Museums-Chef ist Dr. Lauer Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Im Rathaus empfand man es wohl als Provokation, dass ausgerechnet ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung sich nicht unbedingt allen Wünschen des OB beugen wollte.
Nach der klaren demokratischen Entscheidung begann ein Kesseltreiben aus dem Rathaus. "Lauer muss weg!", so lässt sich der Tenor kurz zusammenfassen. Was man dem überaus aktiven Museumschef eigentlich genau vorwarf, das konnte nie richtig geklärt werden.

Dazu hat es selbst hier im Forum nie einen einzigen Hinweis gegeben :lol:
Da wurde eher mit Unterstellungen und Vermutungen gearbeitet, konkrete Nachweise fehlten komplett.

Ob man mit Anmerkungsapparaten und Literaturlisten arbeiten sollte? In Vorbereitung!
Der neue Präsident der Gesellschaft, Dieter Staubach, Unternehmer aus Berlin,

Unternehmer aus Berlin: klingt wie: Das lässt keinen Zweifel auf.
zeigte sich gegenüber der Stadtverwaltung ausgesprochen kooperationswillig. Doch was auch ihn

und den ExtraTip
verblüffte: Am Anfang all seiner Gespräche mit den Rathaus-Mächtigen stand immer die Forderung: Lauer muss weg.
Eine Forderung, der sich der neue Präsident

und der ExtraTip
angesichts der klaren demokratischen Entscheidung natürlich nicht beugen konnte. Doch die wurde inzwischen aus dem Rathaus zur wichtigsten Machtfrage hochstilisiert.
Wie es weitergehen soll? In der Grimm-Gesellschaft

und im ExtraTip
baut man darauf, dass sich im Rathaus langsam wieder kühles Denken durchsetzt. Immerhin gehören auch prominente Sozialdemokraten zu den Unterstützern des neu gewählten Vorstandes.

Merke: Prominent ist, wer dem Herrn Becker etwas steckt.
Parteipolitisch ist diese Frage also nicht aufgeladen.

Dann ist ja alles in Butter. Nur merkwürdig, warum im ExtraTip penetrant auf die Farbe des Parteibuchs von Prof. Brinckmann hingewiesen wird.
Und hier der Kommentar dazu von unser aller Klaus Becker:
ZWISCHENRUF
Von KLAUS BECKER

Um es vorweg zu sagen: Wäre ich als Mitglied der Brüder Grimm-Gesellschaft, das seine Beiträge ordentlich bezahlt, am Tag der Wahl in Kassel gewesen, hätte der amtierende Vorstand mit meiner Stimme rechnen können.

Alles andere hätte uns überrascht.
Weshalb dieses Bekenntnis? Ich will mich damit bewusst abheben von den Leuten, die zwar für Zeitungen schreiben, die sich als "überparteilich" bezeichnen, aber bei den Auseinandersetzungen um die Grimm-Gesellschaft bedingungslos den Wünschen des Rathauses gefolgt sind, und die Gruppe um Hans Brinckmann gestützt haben. Erfolglos.

Einzahl. Nennen Sie das Blatt auch Ihres Verleger doch ganz einfach beim Namen.
Das Gute bei selbstbewussten Bürgern ist eben,

hier müsste es heißen: „Das Gute an mir ist eben“
dass sie sich keine Vorschriften machen lassen, was sie zu denken und wie sie zu wählen hätten. Und diese Erfahrung musste in Sachen Grimm auch das Kasseler Rathaus machen, auch der amtierende OB, bei dem man nicht weiß, von welchen seltsamen Ratgebern getrieben er sich so massiv in diese Auseinandersetzung stürzte.
Die hartnäckigsten Gegner von Dr. Bernhard Lauer sind ja nie aus dem Schutz der Anonymität hervorgetreten. Wer unter dem Schutz der Anonymität mit Dreck um sich wirft, ist in einer aufgeklärten Gesellschaft schon einmal im Nachteil. Denn die Bürger haben zwar Lust am Streit und an der Auseinandersetzung, aber die müssen offen geführt werden.

Offen geführter Streit: Stimmt es denn, dass das verschwommene Foto, das den Artikel über Frau Apostel illustriert und offenkundig von einem ET-Redakteur stammt, bei einer privaten Party des Herrn ganz rechts aufgenommen wurde? Frage: Was hat der ExtraTip auf einer privaten Party inmitten des abgebildeten Trios zu suchen? Warum gelangt ein Schnappschuss eines ET-Redakteurs einer privaten Party in die Berichterstattung des ET? Soweit zum Thema Offenheit.
Wer nur auf anonyme Meinungsäußerungen schaute, der muss ja wirklich aus allen Wolken fallen, mit welch großer Unterstützung das Lager um den neuen Präsidenten Dieter Staubach und seinem Geschäftsführer Dr. Bernhard Lauer gestützt wurden. Besonders für Kassels OB Bertram Hilgen ist es jetzt Zeit, die ausgestreckte Hand der Versöhnung zu ergreifen,

Wessen Hand war das nochmal?
damit für Ruhe in dem für Kassel und die Region so wichtigen Grimm-Lager

Wir wollten doch einen Märchen-Park, und kein Lager :lol:
zu sorgen. Einverstanden: Der OB hat seinen Willen nicht durchsetzen können. Das wird ihm als erprobten Politiker noch manchmal widerfahren. Die Qualität eines Politikers zeigt sich eben auch in seiner Fähigkeit, Konflikte beizulegen. Diese Kunst sollte sich Kassel auf die Fahnen schreiben. Statt weiter den Konflikt zu schüren und das Ergebnis einer demokratischen Entscheidung im Nachhinein umkehren zu wollen. Ein erfolgreicher OB muss auch Niederlagen einstecken können. Da zeigt sich seine Stärke und das wird von den Bürgern auch respektiert. Wenn er hingegen zeigt, dass er mit Niederlagen nicht umgehen kann, dann warten weitere, böse Überraschungen.

Im ExtraTip von Herrn Ippen?
Die Grimms und ihr Erbe sind Kassels größtes Kapital. Noch weit vor der documenta.

Das musste mal gesagt werden.
Das Erbe sollte man gemeinsam pflegen - anstatt sich in ihrem Namen nutzlose Konflikte zu liefern

Das nehmen wir uns zu Herzen: Sollen wir den Thread schließen?!


Der Originalartikel auf der Website des "Extra-Tip" mit Photo von Dieter Staubach vor dem Grimm-Museum: http://194.25.86.242/extratip/FMPro?-DB=et-artikel.fp5&-format=artikelquer.html&artikel.nummer=3675&-script=aktiv&-lay=www&-find

In Kassel wurde heute auch bekannt, daß die seit kurzem amtierende stellvertretende Leiterin des Brüder Grimm-Museums, die Lokalpolitikerin Anja Apostel (CDU), ehemalige Referentin des 2005 abgewählten Oberbürgermeisters, von ihrem Vorgesetzten an eine andere Arbeitsstelle umgesetzt wird. Frau Apostel geht dagegen gerichtlich vor. Siehe http://www.hna.de/kasselstart/00_20060620194422_Aus_dem_Museum_jetzt_zur_GWG.html.
Zuletzt geändert von Bonoboche am Sonntag, 25. Juni 2006, 12:39, insgesamt 2-mal geändert.
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Beitragvon Stefan Lange » Donnerstag, 22. Juni 2006, 8:41

Es gibt nun doch etwas Bewegung. In der Kasseler Lokalzeitung HNA vom 21.6.2006:

"Habe einen Ruf in der Welt"
Grimm-Museumsleiter Bernhard Lauer will Geschäftsführerposten abgeben

Von Christina Hein

KASSEL. Dr. Bernhard Lauer wird bis Ende des Jahres von seinem Posten als Geschäftsführer der Brüder-Grimm-Gesellschaft zurücktreten. So lautet eine Abmachung zwischen dem Literaturwissenschaftler und der Rathausspitze. Und das seit längerem.

In der Doppelrolle Lauers als Leiter des städtischen Brüder-Grimm-Museums und gleichzeitig Geschäftsführer der Grimm-Gesellschaft sieht Bürgermeister Thomas-Erik Junge ein "großes Problem". "Wir wollen das entflechten", sagt Junge gegenüber der HNA, "auch im Namen von Oberbürgermeister Bertram Hilgen", der außerdem Kuratoriumsvorsitzender ist.

Dem Argument Lauers, eine Personalunion von Museumsleiter und Geschäftsführer bestehe seit 34 Jahren und setze Synergien frei, entgegnet Junge: "Die Zeiten haben sich geändert." Die Anforderungen seien heute so groß geworden, dass sie unmöglich von einer Person allein geschultert werden können.

Junge geht davon aus, "dass wir das Thema Entflechtung bis Jahresende einvernehmlich geklärt haben". Sprich: Lauer wird seinen Posten als Geschäftsführer für einen anderen freimachen. Der nickt: Er stehe "neuen Strukturen" aufgeschlossen gegenüber. Lauer: "Ich bin der Letzte, der an seinem Posten festhält. Mir geht es allein um die Sache."

Erstaunlich ist dieses Einvernehmen vor dem Hintergrund, dass sich Lauer erst im vergangenen Monat mit einer satten Zweidrittelmehrheit zum Geschäftsführer hatte wieder wählen lassen. Über diese Kandidatur war Hilgen nicht nur "sehr überrascht", sondern außerdem verärgert, so Junge. Denn: Bereits im Vorfeld der Wahl hatte man sich im Einvernehmen mit Lauer - vermeintlich - darauf geeinigt, dass dieser nicht mehr als Geschäftsführer der Grimm-Gesellschaft zur Verfügung stehe. Doch es kam anders.

Diese Abmachung, so Lauer, sei von Presseberichten - unter anderem im "Spiegel" - durchkreuzt worden, die seine Arbeit diffamiert und seine Wissenschaftlichkeit infrage gestellt hätten. "Ich habe einen Ruf in der Welt zu verlieren", sagt Lauer, der über Plagiatsvorwürfe und "unbegründete Angriffe aus dem Hinterhalt" noch immer empört ist.

Hätte er in der Situation das "Handtuch geworfen", so Lauer, wäre das als Schuldeingeständnis missverstanden worden: "Ich musste einfach kandidieren. Zudem habe er keine Kompromissbereitschaft von Seiten der gegnerischen Fraktion - Wunschkandidat Bertram Hilgens für die Geschäftsführung war der ehemalige Uni-Präsident Professor Dr. Hans Brinckmann - erkennen können.

"Die Arbeit von Dr. Lauer wird anerkannt", sagt Junge. Die Vorwürfe gegen den Museumsleiter seien nicht nachprüfbar. Er sei davon überzeugt, dass es der Grimm-Gesellschaft noch in diesem Jahr gelinge, einen neuen Geschäftsführer zu finden.

21.06.2006


Quelle: http://www.hna.de/kasselstart/00_200606 ... _Welt.html

Es wird interessant, wie es weitergeht.

Stefan Lange
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Junge kündigt Sitzung des Museumskuratoriums an

Beitragvon Bonoboche » Samstag, 24. Juni 2006, 8:01

In einem Brief an die Kasseler Lokalzeitung dementierte Museumsleiter Dr. Lauer, von seiner ehrenamtlichen Funktion als Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft zurücktreten zu wollen, wie es die HNA nach einem Gespräch u. a. mit ihm und Kulturbürgermeister Junge gemeldet hatte. Ob er zurücktreten werde, hänge von Entscheidungen in Sachfragen ab. Junge kündigte daraufhin eine Sitzung des für das Grimm-Museum zuständigen Kuratoriums an. Der Bericht der HNA über den Brief Lauers im Wortlaut:
Lauer auf Konfliktkurs
Chef des Grimm-Museums: Gebe Posten in Grimm-Gesellschaft erst mal nicht auf
Von Tibor Pézsa

KASSEL. Der Leiter des Brüder-Grimm-Museums, Dr. Bernhard Lauer, hat gestern bestritten, dass er bis Jahresende als Geschäftsführer der Brüder-Grimm-Gesellschaft zurücktreten wolle. So hatte es unsere Zeitung am Donnerstag nach einem gemeinsamen persönlichen Gespräch mit Lauer, Kulturdezernent Thomas-Erik Junge und Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp gemeldet. Entgegen Lauers Darstellung bestätigten aber Junge und Bohnenkamp gestern die Richtigkeit der HNA-Berichterstattung.
Wie berichtet, wollen Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Junge die Doppelfunktion von Bernhard Lauer auflösen. Das geht nur, indem Lauer entweder seinen Posten als Museumschef aufgibt oder seine Funktion in der Grimm-Gesellschaft.
Die Debatten um seine Person hatte Lauer selbst ausgelöst, als er versucht hatte, zusätzlich zu seinem Geschäftsführer-Posten auch noch Präsident der Grimm-Gesellschaft zu werden. Damit wäre er sein eigener Chef geworden, denn der Präsident der Grimm-Gesellschaft bildet neben dem Oberbürgermeister und dem Kulturdezernenten das Kuratorium des Brüder-Grimm-Museums. Nach heftigen Querelen um seine Person war Lauer unlängst auf einer Mitgliederversammlung wieder zum Geschäftsführer der Grimm-Gesellschaft gewählt worden.
Lauer machte gestern in einem Schreiben an die HNA deutlich, dass er "als Person der Sache der Brüder Grimm nicht im Wege stehen werde". Das heißt für ihn aber offenbar nicht das, was Junge und Hilgen von ihm erwarten.
Lauer schreibt: "Ob und wann ich meine ehrenamtliche Funktion als Geschäftsführer der Brüder-Grimm-Gesellschaft zur Verfügung stellen werde, wird davon abhängen, wie die anstehenden Sachfragen entschieden werden."
Als "Sachfragen" nennt Lauer beispielsweise den "Ausbau des Grimm-Standortes Kassel, die Verwaltung der Sammlungen, wissenschaftliche und publizistische Konzepte". Damit setzt sich der Museumschef einmal mehr in einen scharfen Gegensatz zu der Forderung des Kulturdezernenten und des Oberbürgermeisters. Bertram Hilgen und Thomas-Erik Junge mochten gestern auf Anfrage der HNA keine Stellung zu dem Vorgang nehmen. Es werde aber "umgehend" eine Sitzung des Kuratoriums der Brüder-Grimm-Gesellschaft einberufen, "in der die Folgerungen aus der derzeitigen Situation erörtert werden."
23.06.2006"

http://www.hna.de/kasselstart/00_20060623201459_Lauer_auf_Konfliktkurs.html
Bonoboche
 
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