Urkundliches zum Weltdokumentenerbe

In Kassel gingen die Brüder Grimm zur Schule und legten ab 1805 die Grundlagen ihres wissenschaftlichen Werkes. 1897 und 1942 wurden in Kassel Grimm-Gesellschaften gegründet. Die Landesbibliothek baute eine große Grimm-Sammlung auf. An diese Tradition knüpfte man 1959 mit der Gründung des Brüder Grimm-Museums an. Es soll zu einer touristisch orientierten "Grimm-Welt" ausgebaut werden. Seit 2012 besteht an der Universität Kassel eine Professur zur Grimm-Forschung.

Urkundliches zum Weltdokumentenerbe

Beitragvon Berthold Friemel » Freitag, 22. Dezember 2006, 13:31

Im Brief des Vorstands der Brüder Grimm-Gesellschaft e. V. zu den Eigentumsverhältnissen an den Kasseler Handexemplaren der Grimmschen Märchen heißt es, für den von Grimm-Forschern und Kasseler Bibliothekaren jetzt vorgelegten Überblick zur Geschichte der Kasseler Grimm-Handexemplare seien bisher nicht oder schwer zugängliche Dokumente bereitgestellt worden.
Klaus Dieter Staubach, Bernhard Lauer, OAR Tampe, Heidrun Helwig, Peter Vaupel hat geschrieben:Es spricht für die erfreuliche Zusammenarbeit mit der Berliner Grimm-Sozietät, daß auch von dort Zuarbeit geleistet wurde und inzwischen die Bereitstellung verschiedener bisher nicht oder nur schwer zugänglicher Dokumente erfolgt ist.

Dieser Satz ist absurd und verwunderlich. Sämtliche Bücher und Archivbestände, die für die Dokumentation http://www.grimmnetz.de/grimm-mow herangezogen wurden, sind und waren frei zugänglich. Es befinden sich darunter gedruckte Werke, die zur Standardliteratur in der Grimm-Forschung bzw. zur Geschichte der Kasseler Grimm-Pflege gehören (insbesondere das Anmerkungswerk von Bolte-Polívka, der Bericht von Edward Lohmeyer zu zehn Jahren Kasseler Grimm-Gesellschaft und der Katalog zur Ausstellung des Grimm-Museums von Dieter Hennig).

Folgende drei wesentliche Punkte waren in der Grimm-Forschung eigentlich allgemein bekannt, gehen allein schon aus den drei genannten Publikationen hervor und gehörten zum Standard, den man voraussetzen konnte und kann:
1. Die alte Kasseler Grimm-Gesellschaft war eine Gründung von Bibliothekaren der Landesbibliothek und sammelte für diese.
2. Die Kasseler Handexemplare von Werken der Brüder Grimm gehörten zu den Beständen der Landesbibliothek, später der Murhardschen und Landesbibliothek Kassel.
3. Die jetzige Brüder Grimm-Gesellschaft e. V. wurde 1942 gegründet.


Schon angesichts dieser - es sei wiederholt - allgemein bekannten Tatsachen hätte es nicht dazu kommen dürfen, in dem Antrag der Brüder Grimm-Gesellschaft e. V. zu behaupten, diese selbst sei seit (ca.) 1897 Eigentümerin der Handexemplare. Es ist nach der Verantwortlichkeit und nach den Motiven für diese Behauptung zu fragen, und es sind Konsequenzen anzumahnen. Was Kassel schadet, sind das in diesem Fall kraß hervortretende, einigermaßen krankhaft zu nennende Verhältnis zur Wahrheit und der an Interessen einer kleinen Gruppierung orientierte vorrangig taktische Umgang mit den Grimm-Beständen. Unumgängliche Voraussetzung für eine künftig wieder positivere Rolle Kassels im Konzert der Grimm-Orte ist es, jetzt für Offenheit in der Behandlung dieses Falles zu sorgen und vor allem die alten Grimm-Bestände in einer fairen und rechtmäßigen Weise wieder ihrer Eigentümerin zur Verfügung zu stellen.
Berthold Friemel
 
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