Brief der Uni Kassel an die Stadt wegen der Handexemplare

In Kassel gingen die Brüder Grimm zur Schule und legten ab 1805 die Grundlagen ihres wissenschaftlichen Werkes. 1897 und 1942 wurden in Kassel Grimm-Gesellschaften gegründet. Die Landesbibliothek baute eine große Grimm-Sammlung auf. An diese Tradition knüpfte man 1959 mit der Gründung des Brüder Grimm-Museums an. Es soll zu einer touristisch orientierten "Grimm-Welt" ausgebaut werden. Seit 2012 besteht an der Universität Kassel eine Professur zur Grimm-Forschung.

Brief der Uni Kassel an die Stadt wegen der Handexemplare

Beitragvon Bonoboche » Samstag, 13. Januar 2007, 12:34

HNA, Kassel, hat geschrieben:Uni bohrt wegen Grimms nach
Brief an Stadt zum Eigentümer-Streit um Handschriften und Bücher

Brüder-Grimm-Handschriften: Wer ist Eigentümer?

Von Dirk Schwarze

KASSEL. Der Streit um die Eigentumsrechte an Teilen der Grimm-Bibliothek, insbesondere der Grimmschen Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen, schwelt weiter. Nachdem im November sieben Wissenschaftler und Bibliothekare in einem Brief die Behauptung der Brüder Grimm-Gesellschaft als unhaltbar zuückgewiesen hatten, die Handexemplare seien seit über 100 Jahren ihr Eigentum, hat nun die Leitung der Universität Kassel in einem Brief an die Stadt die von den Wissenschaftlern dargelegte Rechtsposition bekräftigt. Das Schreiben ist an das Rechtsamt gerichtet, das im Auftrag des Oberbürgermeisters die Eigentumsrechte prüfen soll.

Fast zeitgleich hat der Hanauer Landtagsabgeordnete Aloys Lenz (CDU) zum Streit eine parlamentarische Anfrage an die Landesregierung gerichtet. Lenz geht davon aus, dass der Geschäftsführer der Grimm-Gesellschaft, Dr. Bernhard Lauer, einen "nicht nachvollziehbaren Eigentumsanspruch auf die Handexemplare erhoben" habe. Die Öffentlichkeit habe einen Anspruch darauf, zu erfahren, ob die zum Unesco-Weltdokumentenerbe erklärten Handexemplare der Universitätsbibliothek und damit dem Land oder einem Verein gehörten.

Der Direktor der Universitätsbibliothek, Dr. Axel Halle, betonte gegenüber der HNA, dass es der Uni nicht um einen Konflikt gehe, sondern um eine Verständigung mit der Stadt. Doch der Sachverhalt müsse endlich geklärt werden. Wie Halle sagte, könne anhand einiger Bücher nachgewiesen werden, dass sie von der Grimm-Gesellschaft umgewidmet worden seien. Man müsse klar trennen zwischen den Büchern und Handschriften, die sich vor 1957 im Besitz der Landesbibliothek befanden, und solchen, die für die Murhardsche oder direkt die Grimm-Gesellschaft angeschafft worden seien.

Anlass für den neuerlichen Konflikt war der von der Grimm-Gesellschaft ausgefertigte Antrag an die Unesco, die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen als Weltdokumentenerbe anzuerkennen. Nach Ansicht der Wissenschaftler und der Uni Kassel geht der Antrag von falschen Behauptungen aus: Die heutige Grimm-Gesellschaft könne schon deshalb nicht seit über 100 Jahren Eigentümerin sein, weil sie erst 1942 gegründet wurde. Auch hätten sich die Handexemplare nicht seit Ende des 19. Jahrhunderts in Kassel befunden, sondern seien bis 1932 in Besitz des Berliner Grimm-Forschers Johannes Bolte gewesen. Und dieser habe sie ausdrücklich der Landesbibliothek übersandt.

Die Lage ist deshalb kompliziert, weil die Landesbibliothek, aus der Teile der Grimm-Bibliothek stammen, selbst mehrfach ihren Status geändert hat. Die ursprünglich eigenständige Landesbibliothek wurde 1957 mit der städtischen Murhardschen Bibliothek vereinigt und gehört seit 1976 zur Unibibliothek Kassel. Erschwerend kommt hinzu, dass die Grimm-Gesellschaft ihr Büro in dem Gebäude hat, in dem die Landesbibliothek und die Murhardsche vereinigt wurden.

12.01.2007
Bonoboche
 
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