Hess. Wissenschaftsminister zu Anfrage betr. Handexemplare

In Kassel gingen die Brüder Grimm zur Schule und legten ab 1805 die Grundlagen ihres wissenschaftlichen Werkes. 1897 und 1942 wurden in Kassel Grimm-Gesellschaften gegründet. Die Landesbibliothek baute eine große Grimm-Sammlung auf. An diese Tradition knüpfte man 1959 mit der Gründung des Brüder Grimm-Museums an. Es soll zu einer touristisch orientierten "Grimm-Welt" ausgebaut werden. Seit 2012 besteht an der Universität Kassel eine Professur zur Grimm-Forschung.

Hess. Wissenschaftsminister zu Anfrage betr. Handexemplare

Beitragvon Berthold Friemel » Freitag, 13. April 2007, 19:50

Gestern fiel mir beim Surfen im Internet auf, daß mittlerweile die Antwort online zugänglich ist, die der hessische Wissenschaftsminister Udo Corts auf die Anfrage einiger Landtagsabgeordneter zu den Rechtsverhältnissen um die Kasseler Handexemplare der Grimmschen Märchen gegeben hat. Sie sei hier dokumentiert:
Kleine Anfrage
der Abg. Lenz (Hanau), Oppermann und Klein (Freigericht) (CDU)
vom 06.12.2006

betreffend Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen der
Brüder Grimm

und Antwort des Ministers für Wissenschaft und Kunst

Vorbemerkung der Fragesteller:
Der Hanauer Anzeiger berichtet in einem ausführlichen Artikel seiner Ausgabe vom 18. November 2006 über Eigentumsansprüche, welche der gegenwärtige Geschäftsführer der Brüder-Grimm-Gesellschaft in Kassel auf die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm erhebt. Angesichts der Tatsache, dass die Handexemplare Teil des UNESCO-Weltdokumenterbes sind und die Brüder Grimm als Exponenten hessischer Identität einen hohen Stellenwert genießen, fragen wir die Landesregierung:

Diese Vorbemerkung der Fragesteller vorangestellt, beantworte ich die Kleine Anfrage wie folgt:

Frage 1. Sind der Landesregierung Eigentumsansprüche durch den Geschäftsführer der Brüder-Grimm-Gesellschaft auf die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm bekannt?
Der Landesregierung ist bekannt, dass im Zusammenhang mit der in der Fragestellung angesprochenen Diskussion über die Eigentumsrechte an den Handexemplaren der Geschäftsführer der Grimm-Gesellschaft bislang davon ausgegangen war, das Brüder-Grimm-Museum in Kassel oder auch die Brüder-Grimm-Gesellschaft sei seit der Übergabe der Dokumente an das Grimm-Museum Eigentümer der Handexemplare.

Frage 2. Wo befinden sich diese gegenwärtig?
Die Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen befinden sich im Brüder-Grimm-Museum Kassel.

Frage 3. Wer ist nach Kenntnis der Landesregierung Eigentümer der Handexemplare und seit wann?
Die Frage der Eigentumsrechte ist, wie sich bei den vorläufigen Prüfungen im Zusammenhang mit der Aufnahme der Handexemplare in das Weltdokumentenerbe der UNESCO ergeben hat, bisher nicht eindeutig geklärt worden.
Seit Dezember 2006 prüft das Rechtsamt der Stadt Kassel die umstrittenen Übergabeverträge und auch das Land Hessen hat zwischenzeitlich entschieden, ein eigenes Gutachten zu erstellen. Das Gutachten des Rechtsamts der Stadt Kassel soll in Kürze vorgestellt werden.

Frage 4. In welcher Beziehung steht die Brüder-Grimm-Gesellschaft in Kassel zum Land Hessen bzw. zu Einrichtungen des Landes?
Es bestehen keine Beziehungen zum Land Hessen bzw. zu Einrichtungen des Landes.

Frage 5. Gibt oder gab es personelle und/oder institutionelle Verbindungen zwischen dem Land Hessen oder Einrichtungen des Landes und der Grimm-Gesellschaft?
Es gibt keine derartigen Verbindungen.

Frage 6. Wie beurteilt die Landesregierung die Situation konkurrierender Grimm-Vereine (Brüder-Grimm-Gesellschaft in Kassel, Grimm-Sozietät in Berlin) im Hinblick auf die weitere Erforschung des Werkes der Brüder Grimm?
Wesentliche Teile des Lebenswerkes der Brüder Grimm befinden sich sowohl in Kassel als auch in Berlin. Dies erklärt die Existenz der beiden Organisationen, die sich jeweils der Pflege eines Teils des Nachlasses widmen. Aus der Sicht des Landes ist die Kooperation beider Institutionen im Hinblick auf eine umfassende Aufarbeitung des Lebenswerkes dieser wichtigen und international bekannten Vertreter der deutschen Geistesgeschichte wünschenswert.

Frage 7. Wie beurteilt die Landesregierung im Hinblick auf den hohen Rang der Brüder Grimm als Repräsentanten hessischer Identität den öffentlichen Streit um das Eigentum an ihrem Erbe?
Die öffentliche Diskussion um die Eigentumsrechte an den Originalexemplaren resultiert aus der wechselvollen Geschichte der Bestände in den Kasseler Bibliotheken und aus nicht eindeutig zu interpretierenden Vertragswerken. Im Hinblick auf die internationale Aufmerksamkeit durch die Aufnahme in das Weltdokumentenerbe ist eine zügige juristische Klärung der strittigen Fragen wünschenswert.

Wiesbaden, 19. Februar 2007
Udo Corts

Eingegangen am 5. März 2007 · Ausgegeben am 12. März 2007
Druck und Auslieferung: Kanzlei des Hessischen Landtags · Postfach 3240 · 65022 Wiesbaden

http://www.landtag.hessen.de/Dokumente/ ... /06632.pdf
Berthold Friemel
 
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