Vorschläge zu den KHM als Weltdokumentenerbe

In Kassel gingen die Brüder Grimm zur Schule und legten ab 1805 die Grundlagen ihres wissenschaftlichen Werkes. 1897 und 1942 wurden in Kassel Grimm-Gesellschaften gegründet. Die Landesbibliothek baute eine große Grimm-Sammlung auf. An diese Tradition knüpfte man 1959 mit der Gründung des Brüder Grimm-Museums an. Es soll zu einer touristisch orientierten "Grimm-Welt" ausgebaut werden. Seit 2012 besteht an der Universität Kassel eine Professur zur Grimm-Forschung.

Vorschläge zu den KHM als Weltdokumentenerbe

Beitragvon Alan Kirkness » Samstag, 24. November 2007, 12:39

In der HNA von heute steht unter der Überschrift "Raus aus dem Banktresor. Experten wollen in fünf Schritten den Streit um die Bücher der Brüder Grimm beilegen" ein Beitrag von Peter Ketteritzsch und Ellen Schwaab über Vorschläge, die wir zur Beilegung der Unstimmigkeiten bei der Nominierung und Anerkennung der Kasseler Handexemplare der "Kinder- und Hausmärchen" als UNESCO-Weltdokumentenerbe (Memory of the World) formuliert haben. Diese Vorschläge haben wir gestern der HNA zur Veröffentlichung geschickt und möchten sie jetzt in voller Länge wiedergeben:

    Verfahrensweise zur Klärung der Rechtsverhältnisse um das Grimm-Weltdokumentenerbe und zur Verleihung der Urkunde:

    1. Bücher weg aus dem Banktresor und in die Landes- und Murhardsche Bibliothek. Gründe: qualifiziertes Personal; Bibliotheksgebäude ist konservatorisch und sicherheitstechnisch für solche Bestände ausgelegt; Bestände sind für Forschung zugänglich; Ausleihe für Ausstellungen möglich; auch Bestände in städtischem Eigentum werden in der Bibliothek verwahrt, so dass zunächst nicht festgestellt werden muss, ob die Bände der Stadt oder dem Land gehören. Die Bücher können sogar umgehend im Handschriftentresor der Bibliothek ausgestellt werden, ebenso können sie zügig fachgerecht digitalisiert und im Internet allgemein zugänglich gemacht werden.

    2. Feststellung der Eigentumsrechte an den fünf Bänden des Weltdokumentenerbes. Eigentum, Besitz, konservatorische Zuständigkeit und Copyright müssen laut UNESCO-Richtlinien vor der Eintragung in das Weltdokumentenerbe-Register (Memory of the World) festgestellt werden (General Guidelines, 2002, S. 44-45, Appendix A, § 5: Legal Information).

    3. Ermittlung aller vom Brüder Grimm-Museum verwahrten Bestände aus dem Besitz der Landesbibliothek, der Murhardschen Bibliothek, der Murhardschen und Landesbibliothek und der Gesamthochschulbibliothek. Rückführung dieser Bestände in die Bibliothek. Dies ist eine Frage der Glaubwürdigkeit, denn die fünf UNESCO-Weltdokumentenerbe-Bände gehören zu diesen historischen Bibliotheksbeständen und sind nur die 'Spitze eines Eisbergs' von insgesamt etwa 2.000 bibliothekarischen Einheiten. Es wäre nicht plausibel, das Problem lediglich für fünf Bände zu klären, nicht aber für den Großteil der Bestände. Zudem gibt es im Bibliotheksgebäude geeignete Magazinräume (keine Verteilung in diverse Außenmagazine wie im Grimm-Museum).

    4. Somit wären die erforderlichen Bedingungen für eine Verleihung der Urkunde und für die Eintragung der Bände in das Weltdokumentenerbe-Register geschaffen. Es könnte sinnvoll und sachgemäß sein, die Urkunde gemeinsam an die Universität Kassel und die Stadt Kassel zu richten, um beide für die Pflege, Erschließung und Präsentation des UNESCO-Weltdokumentenerbes in die Pflicht zu nehmen. Eine Einbeziehung der Brüder Grimm-Gesellschaft e. V. ist nach den bisherigen Fehlentwicklungen nicht akzeptabel; eine besondere (rechtliche) Beziehung der Grimm-Gesellschaft zu den fünf Büchern, mit der man dies begründen könnte, existiert nicht.

    5. Zwischen der Universitätsbibliothek Kassel und dem Kuratorium des Brüder Grimm-Museums können die Modalitäten neuer Leihgaben geklärt werden.

    Verfahrensweise mit dem fehlerhaften Antrag:

    Die Angaben zum rechtlichen Status der Dokumente hätten laut UNESCO-Richtlinien bereits vom Antragsteller abgesichert und dann im Antragsverfahren geprüft werden müssen. Eine Eintragung in das Register ist laut UNESCO-Richtlinien nur möglich, wenn eine solche Klärung stattgefunden hat. Dagegen wurde im Fall der "Kinder- und Hausmärchen" verstoßen. Ein fehlerhafter Antrag, der von der UNESCO angenommen wurde und zur Aufnahme von Dokumenten in das Welterbe-Register geführt hat, kann nach Aussage der UNESCO nachträglich nicht mehr geändert werden.

    Es ergeben sich folgende Möglichkeiten:

    1. der bestehende Antrag bleibt erhalten, wird aber durch einen Kommentar ergänzt, der auf die fehlerhaften Angaben hinweist und sie berichtigt;

    2. der tatsächliche Eigentümer bittet die UNESCO, den bestehenden Antrag als ungültig zu suspendieren und von ihm, also vom tatsächlichen Eigentümer, einen neuen Antrag anzunehmen. Diese Möglichkeit wurde von Kasseler Bürgern bereits informell mit der UNESCO diskutiert;

    3. die Brüder Grimm-Gesellschaft e. V. zieht ihren Antrag zurück.

    Berlin, 23.11.2007

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Erstunterstützer(innen) / Reaktionen

Beitragvon Berthold Friemel » Donnerstag, 10. Januar 2008, 21:38

Aus Anlaß von Jacob Grimms Geburtstag am 4. Januar haben Alan Kirkness, Karl-Hermann Wegner und ich den obigen Fünfpunkteplan in einer etwas erweiterten und kontextualisierten Fassung zusammen mit einer Liste von mehr als 30 Unterstützern und Unterstützerinnen an die UNESCO, die hessische Landesregierung, die Stadt Kassel und an die Presse übermittelt.

Auf der Grundlage von zwei DPA-Meldungen haben, soweit es sich im Internet erkennen ließ, mindestens etwa 50 Zeitungen über diese Thematik berichtet. Radiobeiträge wurden u. a. vom Deutschlandfunk Köln und vom Deutschlandradio Kultur produziert. Der Mitschnitt eines Beitrags des Hessischen Rundfunks vom 5. 1. wurde mir nachträglich am 11. 1. noch zugänglich, und ich stelle den Link zusätzlich hier ein:
Der Hessische Rundfunk recherchiert zur Zeit für einen Fernsehbeitrag.

Soweit wir erfahren konnten, sind in den letzten Tagen wieder Gespräche zwischen der UNESCO, dem Land Hessen und der Stadt Kassel über die Kasseler Grimm-Bestände in Gang gekommen.

Die Liste der Erstunterstützerinnen und Erstunterstützer des Fünfpunkteplans sei auch hier im Grimmforum mitgeteilt.
    Folgende Personen und Personengruppen unterstützen das Anliegen, die Unstimmigkeiten um Kasseler Grimm-Bestände in den von Alan Kirkness und Berthold Friemel vorgeschlagenen fünf Schritten zu klären:

    Dr. Susan Bernofsky
    Visiting Assistant Professor of Literature, Sarah Lawrence College, New York (USA)

    Dr. Stephan Bialas
    Germanist und Grimm-Forscher, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg

    Dr. Angela Borchert
    Assistant Professor of German and Comparative Literature, University of Western Ontario, London, Ontario (Kanada)

    Dr. Wilhelm Braun
    Lexikograph und Grimm-Forscher, Humboldt-Universität zu Berlin, Arbeitsstelle Grimm-Briefwechsel

    Brüder-Grimm-Platz e. V.
    Kassel

    Christine Buchenau
    Chefsekretärin Bärenreiter-Verlag Kassel, Geschäftspartnerin Multiple Box Hamburg, Galerie und Kunsthandel, Inhaberin CB-Agentur für Kunsthandel und -vermittlung, Kassel

    Harald Engel
    Verwaltungsbeamter, Kassel

    Dr. Holger Ehrhardt
    Germanist und Grimm-Forscher, Kaufungen

    Dr. Harry Fröhlich
    Lexikograph, Arbeitsstelle Deutsches Wörterbuch an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

    Dr. Simon Gilmour
    Germanist und Grimm-Forscher, Trier

    Christina Grimm
    Lexikographin, Arbeitsstelle Deutsches Wörterbuch an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

    Dr. Volker Harm
    Lexikograph, Arbeitsstelle Deutsches Wörterbuch an der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

    Maria Hartz
    Kulturwissenschaftlerin und Grimm-Forscherin, Humboldt-Universität zu Berlin, Arbeitsstelle Grimm-Briefwechsel

    Prof. Dr. Erhard Hexelschneider
    Slawist, Literarhistoriker, Leipzig

    Verlag S. Hirzel Stuttgart
    Dr. Thomas Schaber, Verlagsleiter

    Prof. em. Dr. William Jervis Jones
    Germanist, Royal Holloway University of London (Großbritannien)

    Prof. Dr. Dr. h. c. Rainer Ludewig
    Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, Kassel

    Prof. Dr. Klaus-Dieter Ludwig
    Germanist, Berlin

    Prof. Dr. Nancy Lukens
    Professor of German, University of New Hampshire, Durham (USA)

    Claudia Melchersmann-Engel
    Bibliothekarin, Kassel

    Angelika Mensching
    Linguistin, Philosophin und Übersetzerin, Hamburg

    Frank Oberbrunner
    Rechtsanwalt, Vorsitzender der FDP-Fraktion in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung

    Dr. Valerie Paradiz
    Germanistin und Schriftstellerin, Grimm-Forscherin, High Falls, NY (USA)

    Dr. Ingrid Pergande-Kaufmann
    Germanistin und Grimm-Forscherin, Humboldt-Universität zu Berlin, Arbeitsstelle Grimm-Briefwechsel

    Prof. Dr. Werner Röcke
    Literaturwissenschaftler, Humboldt-Universität zu Berlin, Vorsitzender der Grimm-Sozietät zu Berlin e. V., gegr. 1991

    Prof. Dr. Michael Schlaefer
    Leiter der Arbeitsstelle Deutsches Wörterbuch an der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

    Prof. Dr. Hartmut Schmidt
    Germanist, Mannheim und Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

    Dr. Peter Schmitt
    Leiter der Arbeitsstelle Deutsches Wörterbuch an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin

    Yannick Philipp Schwarz
    Student, Kassel

    Michael Solf
    Lexikograph, Arbeitsstelle Deutsches Wörterbuch an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

    Prof. em. Dr. Anthony Stanforth
    Germanist, früher Heriot-Watt University, Edinburgh (Großbritannien)

    Karl-Hermann Wegner
    Museumsdirektor i. R. (Stadtmuseum Kassel), Landesvorsitzender des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde Kassel e. V. (1834)

    Peter Wengel
    Germanist und Grimm-Forscher, Technische Universität Darmstadt

Die Liste bleibt offen. und alle Interessierten sind dazu eingeladen, die Lösungsvorschläge ebenfalls zu unterstützen, indem sie ihre Namen für die Liste zur Verfügung stellen oder indem sie sich direkt an die Verantwortlichen wenden. Eine umfangreiche Dokumentation zu diesem Themenkomplex mit einem Onlineformular zur Erklärung der Unterstützung ist unter http://www.grimmnetz.de/grimm-mow zu finden.
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Unterstützung der IHK Kassel

Beitragvon Berthold Friemel » Mittwoch, 23. Januar 2008, 0:00

HNA online berichtet zum Thema Kasseler Grimm-Bestände:
HNA hat geschrieben:IHK für Lösung in fünf Schritten
Grimm-Streit: Unterstützung für Papier der Wissenschaftler Friemel und Kirkness


Kassel. In der Diskussion um Wege zur Beilegung des erbitterten Streits um das Erbe der Brüder Grimm unterstützt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel das Fünf-Punkte-Programm der Wissenschaftler Dr. Berthold Friemel und Prof. Dr. Alan Kirkness sowie weiterer Grimm-Experten. Nach Auffassung des IHK-Arbeitskreises Tourismus, dem Tourismus-Unternehmer aus der Region angehören, ist der Vorschlag zur Klärung der Rechtsverhältnisse "bestens geeignet, um endlich konkrete Lösungsschritte vorzunehmen", heißt es in einer Erklärung. Zugleich würden damit juristische Klärungen nicht vorweggenommen. Wie berichtet, hatten Friemel und Kirkness ihr Papier Ende November 2007 vorgelegt. Der darin präsentierte Lösungsvorschlag wird nach Überzeugung der Experten sowohl den Ansprüchen der Wissenschaftler als auch denen der Öffentlichkeit gerecht. Und so sieht der Vorschlag in Kürze aus: Erster Schritt: Die Handexemplare werden aus dem Tresor der Kasseler Sparkasse entfernt und in die Landes- und Murhardsche Bibliothek gebracht. Dort seien die Bücher konservatorisch und sicherheitstechnisch gut untergebracht und für die Forschung zugänglich. Auch könnten die Handexemplare dort öffentlich gezeigt werden, und zwar im Handschriftentresor.

Zweiter Schritt: Eigentum, Besitz, konservatorische Zuständigkeit und Copyright der fünf Bücher, die zum Weltdokumentenerbe gehören, werden festgestellt.

Dritter Schritt: Alle vom Brüder-Grimm-Museum verwahrten Bestände werden in die Bibliotheken zurückgebracht, aus denen sie stammen. Vierter Schritt: Die Stadt Kassel und die Universität werden gemeinsam für die Pflege, Erschließung und Präsentation des Weltdokumentenerbes in die Verantwortung genommen. Die Brüder-Grimm-Gesellschaft bleibt außen vor.

Fünfter Schritt: Zwischen der Universität Kassel und dem Kuratorium der Brüder-Grimm-Gesellschaft werden Regelungen über Leihgaben getroffen. (ket)

Ich danke der IHK Kassel für diese Unterstützung. Zugleich möchte ich die Gelegenheit nutzen, eine Formulierung des HNA-Artikels zu berichtigen, die einen der Punkte in eine etwas mißverständliche Richtung wendet:
Dritter Schritt: Alle vom Brüder-Grimm-Museum verwahrten Bestände werden in die Bibliotheken zurückgebracht, aus denen sie stammen.

Im dritten Schritt soll vielmehr für sämtliche im Grimm-Museum befindlichen Bestände jene Klärung vorgenommen werden, wie sie im zweiten Schritt für die fünf Handexemplare des UNESCO-Weltdokumentenerbes vorgesehen ist. Alles das, was sich dann als Bestand der Universitätsbibliothek herausstellt, soll in deren Magazine zurückgehen - von wo aus natürlich all jene Objekte, die für Ausstellungen des Grimm-Museums benötigt werden, so wieder ausgeliehen werden können, wie es sonst üblich ist.

Auch die HNA-Wiedergabe des fünften Schrittes bedarf einer Korrektur:
HNA hat geschrieben:Fünfter Schritt: Zwischen der Universität Kassel und dem Kuratorium der Brüder-Grimm-Gesellschaft werden Regelungen über Leihgaben getroffen.

Hier ist in unseren Vorschlägen aber vom Kuratorium des Brüder Grimm-Museums die Rede. Es geht dabei darum, Exponate für Ausstellungen zur Verfügung zu stellen.
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Pressemitteilung der IHK Kassel

Beitragvon Berthold Friemel » Mittwoch, 23. Januar 2008, 10:31

Auf der Website der IHK Kassel ist jetzt deren Pressemitteilung zu den Kasseler Grimm-Beständen zugänglich. Sie thematisiert auch die museale Nutzung des ehemaligen Grimmschen Wohnhauses am Wilhelmshöher Tor in Kassel:

IHK Kassel hat geschrieben:UNESCO-Weltdokumentenerbe
Tourismus-Unternehmer unterstützen Fünfpunktevorschlag zur Lösung des Grimm-Streits


Der Arbeitskreis Tourismus der Industrie- und Handelskammer Kassel unterstützt den Lösungsvorschlag von mehr als 30 Grimm-Forschern und Germanisten, um nach Jahren der Stagnation eine Wende im Grimm-Streit einzuleiten. Der vorgelegte Fünfpunktevorschlag sei nach Auffassung der Tourismusunternehmer zur Klärung der Rechtsverhältnisse um das Grimm-Weltdokumentenerbe bestens geeignet, um endlich konkrete Lösungsschritte vorzunehmen – ohne zugleich juristische Klärungen vorwegzunehmen. „Damit haben wir keine weiteren unverbindlichen Vorschläge im Frühling, sondern die wichtige Ausstellung der Handexemplare garantiert zu den Osterferien 2008 durchgängig bis zur Fertigstellung des Grimm-Museums“, so Dr. Maurice Gigase vom Ferienpark Frankenau am Nationalpark Kellerwald. „Und das ist jetzt vordringlich!“

Darüber hinaus bestärken die Tourismus-Unternehmer den Appell aus der IHK-Resolution an die Stadt Kassel und das Land Hessen, dem Erbe der Brüder Grimm in Kassel einen Platz nationaler Qualität mit internationalem Anspruch zu schaffen, wo sowohl authentischem Wohnen, Leben, Werk und Wirken als auch dem Märchen an einem zentralen Ort anspruchsvoll und angemessen Raum gegeben wird. Schließlich stünden schon ab 2010 große Grimm-Jubiläen an, die hohes internationales Niveau verlangten. Es werde mit Freude zur Kenntnis genommen, dass die Stadt Kassel und das Land Hessen in ihrem am 19. Dezember 2007 geschlossenen Kulturvertrag vereinbarten, gemeinsam die Rekonstruktion der Wohnung der Brüder Grimm am heutigen Brüder-Grimm-Platz zu fördern. Die einzige heute noch erhaltene Kasseler Lebens- und Arbeitsstätte mit der Ausstrahlung des authentischen Ortes wiederherzustellen, sei wahrscheinlich der entscheidende Baustein zur glaubwürdigen Positionierung der Brüder Grimm als anerkannte Landesmarke. Diese Perspektive sollte nicht der Konkurrenz zu anderen musealen Ausbauplänen in Kassel geopfert werden.

Die Kasseler Handexemplare der «Kinder- und Hausmärchen» von Jacob und Wilhelm Grimm wurden 2005 ins UNESCO-Programm "Memory of the World" aufgenommen und zählen somit heute zum Weltdokumentenerbe der Menschheit. „Dieses einmalige Potenzial und Alleinstellungsmerkmal müssen wir nutzen, um der Marke Nordhessen mehr Image zu geben“, bekräftigt Markus Göbel von den Göbel Hotels, einer regionalen Gruppe mit zehn Betrieben. Das Gerangel um vermeintlich einzig richtige Wege müsste ein für allemal ein Ende haben. Stadt, Land Hessen und alle sich mit dem Grimm-Erbe befassenden Institutionen seien aufgefordert, künftig an einem Strang zu ziehen.

Die einzigartigen und millionenschweren Bände müssten einer der touristischen Magnete für ganz Hessen sein. Das Wegschließen in einem Kasseler Banktresor mache sie aber, abgesehen von den konservatorisch bedenklichen Bedingungen, für Touristen und Wissenschaftler unerreichbar. Auch wenn die juristische Klärung der Eigentumsfrage an den Handexemplaren der Brüder Grimm noch lange dauern könne, müsse diese eingeleitet und gleichzeitig sichergestellt werden, dass kurzfristig durch diesen Rechtsstreit die Ausstellung der UNESCO-Urkunde für das Weltdokumentenerbe weder behindert noch verzögert werde. Auch für die touristische Nutzbarmachung des Grimm-Erbes seien die Auseinandersetzungen um das Erbe der weltweit bekanntesten Deutschen alles andere als hilfreich.

Die Tourismus-Unternehmer betonen ihre uneingeschränkte Zustimmung zur IHK-Resolution zum UNESCO-Welterbe. Die IHK-Vollversammlung hatte am 3. Juli 2007 einstimmig sowohl eine Lösung des Jahrzehnte alten Eigentumsstreits angemahnt als auch zur strikten Einhaltung der UNESCO-Regeln des "Memory of the World"-Programms (bspw. bei Konservierung und Pflege, Zugang oder Kommunikation) aufgefordert.

http://www.ihk-kassel.de/index.cfm?CFID ... 4B60A6194A
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Beitragvon Berthold Friemel » Donnerstag, 17. April 2008, 16:04

In den letzten Tagen erklärten ihre Unterstützung des Fünfpunkteplans zur Beilegung der Unstimmigkeiten um Kasseler Grimm-Bestände der Geschäftsführer der documenta GmbH Bernd Leifeld, der Wirtschaftswissenschaftler und Murhard-Forscher Prof. Dr. Rainer Olten und die Inhaberin des Bärenreiter-Verlags Kassel Prof. Barbara Scheuch-Vötterle. Ihr Vater, der Verleger Dr. Karl Vötterle, war 1942 der eigentliche Initiator der Brüder Grimm-Gesellschaft und leitete sie nach dem Zweiten Weltkrieg lange als Präsident.
Seit der Veröffentlichung des Fünfpunkteplans erklärten ihre Unterstützung u. a. der Arbeitskreis für Denkmalschutz und Stadtgestalt Kassel, der frühere Leiter der Landesbibliothek und Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel Prof. Dr. Hartmut Broszinski, der Vorsitzende der Kurhessischen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft Kassel e. V. Prof. Dr. Peter Gercke, die Mediävisten und Grimm-Forscher Prof. Dr. Jens Haustein und Prof. Dr. Uwe Meves (Universitäten Jena und Oldenburg), die Vorsitzende des Vereins Marburger Haus der Romantik Prof. Dr. Marita Metz-Becker, Ministerialdirigent i. R. Dr. Hubert Sauer als ehemaliger Kanzler der Universität Kassel, der Zweigverein Kassel des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde (1834), der Unternehmer und Historiker Dr. Friedrich Freiherr Waitz von Eschen und Wilhelm Grimms Ururenkelin Inge Wurf.

Eine vollständige Fassung der Unterstützer(inne)liste ist jeweils aktuell unter http://www.grimmnetz.de/grimm-mow zugänglich; dort wurde auch ein Formular bereitgestellt, mit dem der Plan online unterstützt werden kann.
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