Neues aus Kassel

In Kassel gingen die Brüder Grimm zur Schule und legten ab 1805 die Grundlagen ihres wissenschaftlichen Werkes. 1897 und 1942 wurden in Kassel Grimm-Gesellschaften gegründet. Die Landesbibliothek baute eine große Grimm-Sammlung auf. An diese Tradition knüpfte man 1959 mit der Gründung des Brüder Grimm-Museums an. Es soll zu einer touristisch orientierten "Grimm-Welt" ausgebaut werden. Seit 2012 besteht an der Universität Kassel eine Professur zur Grimm-Forschung.

Neues aus Kassel

Beitragvon Jeanne d'Arc » Sonntag, 1. November 2009, 13:39

Empörung im Ausschuss (HNA v. 29.10.2009)

Stadtverordnete fühlen sich vom Leiter des Grimm-Museums hingehalten und düpiert

Mal wieder in der Kritik: Dr. Bernhard Lauer, der Leiter des Brüder-Grimm-Museums, zog den kollektiven Zorn des städtischen Kulturausschusses auf sich, weil er der Sitzung fernblieb.

Kassel. Es kommt nicht oft vor, dass die Stadtverordneten kollektiv sauer werden. Doch bei der Sitzung des Kulturausschusses am Dienstagabend war der Ärger groß und allgemein. Vor dem Ausschuss hätte der Leiter des Brüder-Grimm-Museums, Dr. Bernhard Lauer, erscheinen sollen. Und der Magistrat hätte eine Anfrage der Grünen beantworten müssen, wie es um die Grimm-Bestände in Kassel bestellt ist. Das Material dazu hätte ebenfalls Lauer liefern sollen.

Doch Lauer ließ sich wegen Urlaubs entschuldigen, auch habe er keine Zeit gefunden, die Fragen zu Zahl, Art und Eigentumsverhältnissen der Grimm-Bestände zu beantworten. Im Raum steht die von Lauer ins Spiel gebrachte Zahl von 100 000 Objekten.

Es war nicht der erste Versuch, von Lauer Auskunft über die Grimm-Bestände zu erhalten. Schon zur vorigen Sitzung hätten die Antworten vorliegen sollen - doch die von Lauer auf einer DIN-A-4-Seite aufgeführten Erklärungen waren so dürftig und wenig aussagekräftig, dass der Magistrat das Papier zurückhielt.

Die neuerliche Düpierung der Stadtverordneten bezeichnete Dr. Klaus Ostermann (Grüne) als „abenteuerlich“, zumal sich das Verfahren schon seit Mai hinziehe. Gisela Schmidt (FDP) gab unter allgemeiner Zustimmung den Protest gegen die Missachtung der Stadtverordnetenversammlung zu Protokoll. Der scheidende Kulturdezernent Thomas-Erik Junge bemerkte dazu, er teile den Ärger der Stadtverordneten. Notfalls müsse ein externer Gutachter die offenen Fragen beantworten.

Nun soll die Anfrage im Dezember beantwortet werden. Dann will auch Lauer vor dem Ausschuss erscheinen. Er wird einige zusätzliche Fragen zu beantworten haben. (w.f.)



Wie lange noch? (HNA v. 29.10.2009)
Werner Fritsch über Bernhard Lauers Missachtung der Stadtverordneten

Es war kein Zufall, dass der Eklat in Sachen Kasseler Grimm-Bestände sich ausgerechnet in der letzten Sitzung des Kulturausschusses ereignete, in der Thomas-Erik Junge als Kulturdezernent zugegen war.  Seine Versuche, den Leiter des Brüder-Grimm-Museums und Geschäftsführer der Brüder-Grimm-Gesellschaft, Dr. Bernhard Lauer, einzufangen und zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Stadtverordneten anzuhalten, haben nichts gefruchtet.  Wie kann man es zulassen, dass Lauer die Stadtverordneten ein ums andere Mal brüskiert? Seit Monaten liegen Anfragen des Kulturausschusses zu Zahl, Art und Eigentumsverhältnissen der Grimm-Bestände in der Stadt vor. Zuerst beantwortete Lauer sie so unzureichend, dass es an Frechheit grenzte. Jetzt lässt er sich mit Urlaub entschuldigen, und der Magistrat muss womöglich einen Gutachter zur Beantwortung der Fragen bestellen. Wann endlich führt dieses unglaubliche Verhalten zu Konsequenzen? fgh@hna.de



Immer Ärger mit Grimm (HNA v. 29.10.2009)

Von Werner Fritsch

Ein knappes Jahrzehnt an der Spitze des Kulturdezernats, da hinterlässt einer Spuren. Thomas-Erik Junge kann sich auf die Fahne schreiben, dass er die größte Mobilisierung Kasseler Bürger für Kultur organisiert hat, die es in dieser Stadt jemals gegeben hat.
[…]
Seine Initiative, Kassel zur Stadt der Kinderkultur zu machen, ist lobenswert, auch wenn vieles Symbolpolitik blieb.
[…]
Gleich mehrere Niederlagen musste Junge beim Thema Brüder Grimm einstecken. Weder gelang es ihm, die ständigen Querelen um den Leiter des Grimm-Museums, Dr. Bernhard Lauer, zu beenden, noch bewies er ein Händchen für die Museumsplanung. Seine Vorstellung, am Palais Bellevue als dauerhaftem Museumsstandort festzuhalten und an der Trompete einen Erweiterungsbau zu errichten, scheiterte.

Die Entwicklung eines städtischen Museumskonzeptes in Ergänzung zum groß angelegten Ausbau der staatlichen Museen zog sich jahrelang hin. Anstatt Vorgaben zu liefern, startete er den zum Scheitern verurteilten Versuch, per Bürgerbeteiligung eine Museumsplanung von unten zu organisieren.

Der Vorwurf, keine kulturpolitischen Visionen zu haben, keinen Masterplan Kultur für Kassel entwickelt zu haben, begleitete Junges gesamte Amtszeit nach der Kulturhauptstadt-Bewerbung. Auch engagierte sich Junge deutlich weniger für die Aufnahme des Bergparks Wilhelmshöhe ins Unesco-Weltkulturerbe als für die Kulturhauptstadt-Bewerbung.


(Alle Zitate: "Hessisch-Niedersächische Allgemeine" Kassel, www.hna.de)


Redaktionelle Anmerkung:
Die Redaktion des Grimmforums distanziert sich ausdrücklich von den in obigen Artikeln enthaltenen Tatsachenbehauptungen und Wertungen zu Vorgängen in Kassel. Die Verantwortung hierfür liegt allein beim Autor. Den Wahrheitsgehalt des Berichtes über die jüngste Kulturausschusssitzung können wir nicht beurteilen.
Die im Artikel genannte Anfrage von Dr. Klaus Ostermann, Grüne, vom 20. 4. 2009 sowie eine Antwort des Grimm-Museums vom 27. 4. 2009 können über folgenden Link eingesehen werden: http://sdnet.stadt-kassel.de/vorlagen-input.do , dort die Vorlagennummer 101.16.1294 aufrufen und in der nächsten Anzeige Symbole links anklicken.
Beratungen der Stadtverordnetenversammlung Kassel zu diesem Thema wurden auch bereits in folgendem Thread dokumentiert: Grimm-Beratungen der Stadtverordnetenversammlung Kassel
Jeanne d'Arc
 
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