Grimms in Berlin: Antwort an Dr. Willi Höfig

Für alles, was bisher in keine andere Rubrik paßt.

Grimms in Berlin: Antwort an Dr. Willi Höfig

Beitragvon Berthold Friemel » Donnerstag, 20. September 2007, 15:40

Folgende Antwort bezieht sich auf eine Online-Rezension von Willi Höfig zu unserem Buch "Die Brüder Grimm in Berlin", http://www.bsz-bw.de/rekla/show.php?mode=source&eid=IFB_06-1_054; da der Link sich an mehreren Computern nicht öffnen ließ, hier auch ein Link zum Google-Cache mit dem Text der Rezension: http://64.233.183.104/search?q=cache:DW3mjaRmSYIJ:www.bsz-bw.de/rekla/show.php%3Fmode%3Dsource%26eid%3DIFB_06-1_054+h%C3%B6fig+grimm+berlin)

Herrn Dr. Willi Höfig
Universitätsbibliothek Kiel

Sehr geehrter Herr Dr. Höfig,

von unserem Verlag erhielt ich in diesen Tagen neben anderen Rezensionen auch die Ihrige, 2006 erschienene, unseres Buches "Die Brüder Grimm in Berlin" von 2004 (von dem es übrigens 2005 eine zweite, veränderte Auflage gab). Ich freue mich, daß Sie Vergnügen sowohl an den Texten als auch am Layout und den Abbildungen gefunden haben, so daß Sie von dem Katalog gar meinen, er
erlöst auch die bildliche Dokumentation von Leben und Werk der Brüder Grimm aus dem Gefängnis der Taschenbuch-Miniformate.

Hier überschätzen Sie unsere Leistung allerdings, denn dies hatten bereits die Bildbände von Denecke / Schulte Kemminghausen und Seitz sowie mehrere Kasseler Ausstellungskataloge in sehr weitgreifender Weise getan.
Nach dem doch offenbar positiven Eindruck von unserem Buch haben mich die beleidigenden Worte über die Humboldt-Universität gewundert, mit denen Sie Ihre Rezension beschließen:
Daß Konkurrenzdenken und lokaler Ehrgeiz vor den Toren der Alma Mater nicht haltmachen, gilt auch für die Grimm-Forschung, wie zum Beispiel die wütende Polemik im Internet zeigt(1) - oder auch das Fehlen jedes Hinweises auf den von der Humboldt-Universität nur wenige Schritte entfernt, in der Staatsbibliothek zu Berlin, 1997 erstellten Katalog des Grimm-Nachlasses von Ralf Breslau.(2)
Willi Höfig

(1) http://www.grimmnetz.de (anklicken: Grimmforum, Reformprozeß Kassel)
(2) Der Nachlass der Brüder Grimm / bearb. von Ralf Breslau. - Wiesbaden : Harrassowitz, 1997. - Tl. 1 - 2. - 894 S. ; 29 cm. - (Kataloge der Handschriftenabteilung / Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz : Reihe 2, Nachlässe ; 3). - ISBN 3-447-03857-8 : EUR 99.00 [7111]. - Rez.: IFB 03-1-128.

Sie beziehen sich bei Ihrer Feststellung einerseits auf die Rubrik zum Kasseler Reformprozeß im Grimmforum. Darf ich Sie bitten, sich diese Rubrik noch einmal in Ruhe anzuschauen und Ihr Urteil zu überdenken? Der Reformprozeß beim Thema Grimm in Kassel ist zunächst einmal eine ureigene hessische Angelegenheit. Er hat eine innere Notwendigkeit, die Ihnen als Bibliothekar eigentlich ganz besonders einleuchten müßte, wenn Sie sich den wichtigen Themenbereich des Umgangs mit den Kasseler Grimm-Beständen näher anschauen (ausführliche Dokumentation unter http://www.grimmnetz.de/grimm-mow). Daß ich mich gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Kassel, aus Berlin und aus anderen Orten auch in Kassel engagiere, hat - meine ich - doch gerade nicht mit lokaler Engstirnigkeit zu tun, sondern mit einem Verantwortungsbewußtsein für die Zustände auf dem Gebiet, das man bearbeitet - ob es nun im einzelnen um das eigene Haus oder um einen anderen Ort geht. Problematisch finde ich es eher, wegzuschauen und sich herauszuhalten aus Fehlentwicklungen, die man sehr gut beurteilen und denen man wirksam mit entgegensteuern könnte. Hier fällt es mir zur Zeit ganz besonders ein, daß aus Bibliothekarskreisen außerhalb Kassels bisher keinerlei unterstützende Äußerungen für das Anliegen öffentlich bekanntgeworden sind, der Universitätsbibliothek Kassel die in ihrem Eigentum befindlichen Grimm-Bestände wieder zur Verfügung zu stellen. Was würden Sie dazu sagen, wenn in Kiel ein Verein mit Beständen der Universitätsbibliothek so verführe, wie in Kassel die Brüder Grimm-Gesellschaft e. V. mit den Grimm-Beständen der Universitätsbibliothek?

"Konkurrenzdenken und lokalen Ehrgeiz" an der Humboldt-Universität zu Berlin machen Sie zweitens daran fest, daß in dem Buch "Die Brüder Grimm in Berlin" der Katalog des Grimm-Nachlasses in der Berliner Staatsbibliothek von Ralf Breslau nicht zitiert worden sei. Es gibt in unserem Buch nun allerdings generell nur sporadische Literaturhinweise, und man könnte sehr viele weitere wichtige Titel anführen, die ebenfalls nicht zitiert sind. Das Buch befaßt sich überwiegend mit den Berliner Lebensjahren der Brüder Grimm und mit dem Grimmschen Wörterbuch; die Geschichte ihres Nachlasses spielt auf den letzten Seiten eine Rolle. Dort ist auch der Nachlaßbestand in der Berliner Staatsbibliothek kurz beschrieben. Als wichtige Grimm-Quelle ist der Nachlaßbestand für die Beiträge des Bandes fortlaufend verwendet worden, wie Sie beim Durchblättern festgestellt haben werden.
Ich habe das Werk von Ralf Breslau als einen unentbehrlichen Schlüssel zu den Berliner Grimm-Beständen ständig in meiner Nähe. Wenn Sie andere unserer Arbeiten nachsehen, werden Sie es häufig zitiert finden. Auch bin ich seit etwa 20 Jahren Leser der Berliner Staatsbibliothek und fühle mich dort sehr zu Hause. Verschiedentlich hatte und hat die Grimm-Forschung an der Humboldt-Universität mit der Staatsbibliothek gemeinsame Projekte. Ich darf Ihnen versichern, daß Ihre Vermutung, wir hätten uns mit unserem Buch "Die Brüder Grimm in Berlin" in irgendeiner Weise von der Staatsbibliothek abgrenzen wollen, ganz unbegründet ist.

Wo kämen wir übrigens hin, sehr geehrter Herr Dr. Höfig, wenn wir solch gravierende Vorwürfe wie Sie aufbauen wollten, nur weil jemand ein Buch nicht zitiert, das wir selbst nach unserem subjektiven Ermessen genannt hätten? Ich hätte es jedenfalls viel zwingender gefunden, daß Sie in Ihrer Argumentation zur Befreiung der Grimm-Bilder aus dem Taschenbuchformat an Schulte Kemminghausen, Seitz und den Kasseler Katalogen nicht vorbeigehen, als daß wir in einem eher populärwissenschaftlich aufgemachten Ausstellungsbegleiter den Nachlaßkatalog von Ralf Breslau hätten zitieren müssen. Was würden Sie davon halten, wenn ich Sie wegen der Nichtzitierung dieser Bücher mit ähnlichen Kanonen beschösse wie Sie mich?

Ich bin gern bereit, diese Themen mit Ihnen weiter zu diskutieren, und würde mich freuen, wenn ich Sie davon überzeugen könnte, daß Ihre beleidigenden Vorwürfe eigentlich unbegründet sind.

Mit freundlichen Grüßen
Berthold Friemel
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